Das Blog zum Buch!

"Das gibt es nur in Baden!" ist das Forum für die (künftigen) Leser des Buches von Matthias Kehle und Patricia Keßler, erschienen im Silberburg-Verlag (Tübingen). Mit "Outtakes", Neuigkeiten, Ergänzungen und Allerlei rund um Baden-Württembergs schönere Hälfte. Selbstverständlich nicht nur für Badener!


Dienstag, 15. Dezember 2015

8. Outtake - Württembergische Exklave: die Festungsruine Hohentwiel

Sie ist die jüngste Burg Badens und mit neun Hektar die größte Burgruine Deutschlands. Bis zum 1. Juni 1969 war der Hohentwiel eine württembergische Exklave mit wechselvoller Geschichte. Der Berg ist ein Phonolith-Schlotpropfen, das Relikt eines Vulkans, nach allen Seiten hin steil abfallend. Kein Wunder, dass die Menschen im Mittelalter auf die Idee kamen, dort eine Anlage zu errichten, um sich vor Feinden zu schützen. Die Besiedelungsgeschichte der klimatisch begünstigten Hegau-Gegend geht jedoch weiter zurück. Beim Bau des Hohentwiel-Tunnels stieß man auf Überreste aus der Jungsteinzeit, erste Siedlungsspuren reichen zurück in die Zeit bis 7500 vor Christus. Die Burg selbst ist erstmals in einer Sankt Galler Chronik aus dem Jahr 915 nachgewiesen, wo sie als castellum tuiel Erwähnung fand. Die frühe Geschichte ist eng mit der Gründung des Herzogtums Schwaben verbunden. Die Burg war im elften Jahrhundert im Besitz der Zähringer. Nachdem diese ausgestorben waren, wechselte die Festung in den Besitz der Herren von Klingen. Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte ging es hin und her. Im 16. Jahrhundert war sie im Besitz von Ulrich von Württemberg, während der Bauernkriege lagerten bis zu 500 Söldner auf der Burg, während Ulrich gedachte, mit tausenden Soldaten sein Land zurückzuerobern. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Hohentwiel fünfmal erfolglos belagert. Nach dem Westfälischen Frieden, von 1653 bis 1735, wurde die Festung weiter ausgebaut, bis sie ihre maximale Größe erhielt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schwand die militärische Bedeutung, der untere Teil der Festung wurde abgerissen, der obere Teil (auf dem Berg) diente Württemberg als Staatsgefängnis. Als Folge der französischen Revolutionskriege wurde die obere Festung 1800/01 geschleift. Drei Jahre später musste man sie notdürftig instand setzen, da Friedrich II. zu Besuch kam. 1810 fiel das Umland an Baden, der Hohentwiel blieb bei Württemberg und eine Ruine. In den beiden Weltkriegen war auf dem Berg jeweils eine Fliegerwache stationiert. Als 1945 die Franzosen anrückten, beschossen sie die Festung und richteten weitere Schäden an.
Heute besuchen bis zu 120 000 Menschen die Festungsruine Hohentwiel als Touristen. Das Land Baden-Württemberg hat ein Informationszentrum, eine Ausstellung und eine Multimedia-Show eingerichtet. Der badische Dichter Joseph Victor von Scheffel lässt Teile seines Ekkehard-Romans am Hohentwiel spielen. An einer Schlacht gegen die Hunnen nimmt Ekkehard teil. Der Roman war damals so populär, dass an der Burgruine Schilder mit »falschen« Informationen angebracht wurden – Scheffel hat sich so manches ausgedacht, das mit der geschichtlichen Realität nichts zu tun hatte.

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