Das Blog zum Buch!

"Das gibt es nur in Baden!" ist das Forum für die (künftigen) Leser des Buches von Matthias Kehle und Patricia Keßler, erschienen im Silberburg-Verlag (Tübingen). Mit "Outtakes", Neuigkeiten, Ergänzungen und Allerlei rund um Baden-Württembergs schönere Hälfte. Selbstverständlich nicht nur für Badener!


Dienstag, 8. Dezember 2015

7. Outtake: Gelbfüßler und Badenser - Was die Wissenschaft dazu sagt

Gelbfüßler und "Badenser"

Der Begriff Gelbfüßler wurde erst um 1900 auf die Badener übertragen, vorher schmückte man die Schwaben damit. Es heißt auch Badener und nicht Badenser. Nicht, weil die Badener wegen der falschen Bezeichnung beleidigt sind, sondern, weil sie die Schwaben bedauern, da sie alles können außer Hochdeutsch: Man spricht ja auch nicht von Meck-Pommsern, von Heilbronnsern oder Frankfurtsern. Gelbfüßler für Badener, so mutmaßt man, könnte zurückzuführen sein auf den badischen Wappengreif, der früher gelbe Klauen hatte. Angeblich trug das badische Regiment im 18. Jahrhundert gelbe Gamaschen. Gelbfüßler steht allerdings ursprünglich – man glaubt es kaum – für die Schwaben! In einem Werk von Johann Fischart aus dem Jahr 1575 ist bereits nachzulesen, dass die Schwaben »gelb Füß« hätten. Dies lag nicht am Trollinger, der bei fortgesetztem Konsum Leberschäden und damit eine Gelbfärbung der Haut verursacht, nein, die Schwaben liefen ob ihrer Armut barfuß, weshalb ihre Füße einen braun-gelben Farbton annahmen. Auch in Sebastian Sailers Mitte des 18. Jahrhunderts erschienen Schwank Die sieben Schwaben findet sich diese Bezeichnung für einen Schwaben. Das Schwäbische Wörterbuch von 1831 vermerkt, dass die schwäbischen Weinbauern und die Hofbediensteten Gelbfüßler seien, »erstere aufgrund ihrer gelben hirschledernen Hosen, zweitere wegen der gelben Livree« (wikipedia). Und schließlich schreiben die Brüder Grimm im Deutschen Wörterbuch, Gelbfüßler, sei »vor zeiten ein Spottname der Schwaben bei ihren Nachbarn«.
Mit einem jedoch müssen die Badener leben: Dass nämlich Johann Wolfgang von Goethe sie in seinem 16. Buch von Dichtung und Wahrheit als "Badenser" bezeichnet. Und selbst der Duden hält die Schreibweise für zulässig. Etymologen verweisen auf die lateinische Herkunft der "Badenser". Lateinisch "badensis" bedeutet nämlich "badisch, Baden zugehörig". Historische Beispiele sind das botanische Werk von Christian Gmelin, Flora badensis-alsaticam (zur elsässisch-badischen Pflanzenwelt) und die Historia Zaringo-Badensis (die Zähringisch-Badische Geschichte) von J.D. Schöpflin, beide aus der Mitte des 19.Jahrhunderts.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen