Das Blog zum Buch!

"Das gibt es nur in Baden!" ist das Forum für die (künftigen) Leser des Buches von Matthias Kehle und Patricia Keßler, erschienen im Silberburg-Verlag (Tübingen). Mit "Outtakes", Neuigkeiten, Ergänzungen und Allerlei rund um Baden-Württembergs schönere Hälfte. Selbstverständlich nicht nur für Badener!


Dienstag, 3. November 2015

3. Outtake - Wolfgang Schäuble

Weshalb haben wir Wolfgang Schäuble wieder aus dem Buch rausgenommen? Naja, es gibt ja nur Badische und Unsymbadische. Außerdem hat die Neue Zürcher Zeitung Wolfgang Schäuble mal als "Preusse" bezeichnet. Hier also der Text:


Wolfgang Schäuble: der knausrige Badener

Wenn ihm nicht gelegentlich badische Wortfetzen herausrutschten, könnte man Wolfgang Schäuble für den Inbegriff der sparsamen schwäbischen Hausfrau halten. Geboren ist der dienstälteste Bundestagsabgeordnete in der Geschichte der Bundesrepublik 1942 in Freiburg als Sohn von Karl Schäuble (1907–2000), der 1947 bis 1952 Abgeordneter im Badischen Landtag war. In Hausach besuchte Wolfgang das Gymnasium, bevor er in Freiburg und Hamburg Jura und Wirtschaftswissenschaften studierte. Der Rest ist Geschichte. Seit 1972 sitzt er im Bundestag, war unter Helmut Kohl »Minister für besondere Aufgaben«, später Bundesinnenminister. In diese Zeit fiel der Einigungsvertrag mit der DDR. Der Pfälzer Helmut Kohl wünschte sich Wolfgang Schäuble als Nachfolger, doch die Wähler wollten 1998 lieber Gerhard Schröder als Kanzler. Der Badener fiel auch als Kandidat zum Regierenden Bürgermeister in Berlin durch. Mit seinem Dialekt wäre er dafür auch denkbar ungeeignet gewesen, weil die Berliner Badisch nicht von Schwäbisch unterscheiden können und auf Schwaben bekanntermaßen nicht gut zu sprechen sind. Auch für das Amt des Bundespräsidenten war er im Gespräch. Negativschlagzeilen machte Schäuble, weil er in die CDU-Spendenaffäre verwickelt war. Er hatte 1994 für seine Partei 100 000 Mark in bar vom später verurteilten Waffenhändler Karlheinz Schreiber in Empfang genommen. Dennoch holte ihn Angela Merkel 2005 als Innenminister in ihr Kabinett. Seit 2009 ist er Bundesfinanzminister.
Schäubles Leben hatte Höhen und Tiefen. Der Tiefpunkt war das Attentat vom 12. Oktober 1990, als ein psychisch Kranker ihn mit zwei Schüssen im Kiefer und im Rückenmark verletzte. Schäuble war auf Wahlkampf im heimatlichen Oppenau unterwegs gewesen. Seitdem sitzt der in Offenburg lebende Politiker im Rollstuhl. Wolfgang Schäuble hat in seinem langen politischen Wirken oft fragwürdige Positionen vertreten. Dazu zählt der Vorschlag, Aussagen von Gefolterten bei der Ermittlung von Sicherheitsbehörden zu verwenden. Auch einen Gesetzentwurf zur Senkung des Mindestalters für den Waffenkauf musste er zurücknehmen. Ob die Euro-Politik des Bundesfinanzministers langfristig für eine stabile Währung sorgen wird, muss sich noch erweisen. Ein Verdienst der Politik Schäubles ist, dass die Bundesrepublik Deutschland 2014 erstmals seit 1969 nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen konnte, sondern sogar einen Überschuss von 18 Milliarden Euro erzielte. Wolfgang Schäubles Zähigkeit, seine Disziplin, aber auch seine Arroganz sind legendär – nicht alles unbedingt badische Tugenden. Womöglich größerer Beliebtheit erfreute sich sein Bruder Thomas (1948–2013). Er hatte in Baden-Württemberg mehrere Ministerämter inne und war von 2004 bis 2012 Alleinvorstand der Staatsbrauerei Rothaus. 2012 erlitt er einen Herzinfarkt, an dessen Folgen er Anfang 2013 verstarb.

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