Das Blog zum Buch!

"Das gibt es nur in Baden!" ist das Forum für die (künftigen) Leser des Buches von Matthias Kehle und Patricia Keßler, erschienen im Silberburg-Verlag (Tübingen). Mit "Outtakes", Neuigkeiten, Ergänzungen und Allerlei rund um Baden-Württembergs schönere Hälfte. Selbstverständlich nicht nur für Badener!


Dienstag, 27. Oktober 2015

2. Outtake: Der Südwestfunk

Machen wir uns nichts vor: Der fusionierte Südwestrundfunk hat langweilige Radiosender, die lange nicht an "das Original", SWF 3 heranreichen. SWF 3 war Kult. Sonst nichts. Weshalb wir das Kapitel aus dem Buch genommen haben? Den SWF gibt es nicht mehr. Hier das Kapitel:

Radiopioniere beim badischen Südwestfunk

Dass der heutige SWR einmal als »Südwestfunk« (SWF) sendete, der nach dem Krieg (von Schriftstellern und Intellektuellen gegründet) in Holzbaracken startete, wissen heute schon nicht mehr alle Zeitgenossen. Die Älteren erinnern sich an SWF3, damals der meistgehörte ARD-Sender, für den gar mancher Schweizer Zeitgenosse auf die Berge stieg, um den Pop Shop zu empfangen oder die Sendungen mit Elmar »Elmi« Hörig und Anke Engelke. Was heute zum Dudelfunk verkommen ist, wurde in anspruchsvoller, aber nicht ganz ernstzunehmender Weise bei SWF3 erfunden. Gerd Leienbach schuf nicht nur die ersten Radio-Comics (»König Dickbauch« oder »Raumschiff ARDia«), er erfand auch mit dem Schwarzwaldelch das erste Rundfunk-Maskottchen, welches heute noch beim Nachfolgesender SWR3 Bestand hat.
Die noch Älteren mögen sich auch noch an SWF1 erinnern, etwa an die Wunschsendung »Vom Telefon zum Mikrophon« und den Moderator Heinz Siebeneicher samt seiner sonoren Stimme. Aber auch Dieter Thomas Heck moderierte eine Weile die Sendung. Namen wie Volker Kottkamp, Gerd Million, Karl-Rudolf Menke und Rudi Michel haben Fußballfans im Gedächtnis – der Samstagnachmittag bei SWF1 war der legendären ARD-Konferenzschaltung gewidmet. Übrigens nahm sich noch in den 70er Jahren so mancher Sender Zeit, die Senioren im Sendegebiet zu ehren, sprich: Die Jubilare ab 80 Jahren wurden verlesen! Angesichts der Vergreisung der Gesellschaft bräuchte man dafür heute wohl mehrere Stunden.
Auch so manches kulturelle Format erprobte man beim Südwestfunk. Das »Literarische Quartett« wurde nicht etwa von Marcel Reich-Ranicki erfunden, vielmehr von dem Freiburger Schriftsteller Jürgen Lodemann, der mit Sendungen wie »Literaturmagazin« und »Café Größenwahn« das Literaturfernsehen begründete.
Der SWF galt stets als badischer Sender, auch wenn er über UKW bis in die »Kölner Bucht« zu empfangen war, der konkurrierende und viel ältere Süddeutsche Rundfunk (SDR) als schwäbischer »Spätzlesender«. Insofern waren vor allem die Badener bei der Senderfusion im Jahr 1998 sauer.

1 Kommentar:

  1. Der SWF und sein Synfonieorchester, gegründet unter dem legendären Hans Rosbaud, geleitet von Dirigenten wie Zender, Gielen und Cambrelain, für viele das weltweit beste Orchester für neue Musik, Träger der Donaueschinger Musiktage - einer Institution von Weltruhm.
    Und nicht zu vergessen Ernst Ebel mit dem Kinderfunk auf SWF 1, einem Format, das Kinder ernst nahm und anspruchsvolles Radio für die Zielgruppe machte...

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