Das Blog zum Buch!

"Das gibt es nur in Baden!" ist das Forum für die (künftigen) Leser des Buches von Matthias Kehle und Patricia Keßler, erschienen im Silberburg-Verlag (Tübingen). Mit "Outtakes", Neuigkeiten, Ergänzungen und Allerlei rund um Baden-Württembergs schönere Hälfte. Selbstverständlich nicht nur für Badener!


Dienstag, 20. Oktober 2015

1. Outtake: Bambi, Blauer Strahl und Medienpreis – Die Majolika-Manufaktur in Karlsruhe

Weil die Zukunft der Majolika-Manufaktur ungewiss ist, haben wir dieses Kapitel herausnehmen müssen. Hier ist es:

Karlsruhe und Mallorca sind nicht nur verbunden wegen des allerersten Ballermanns (in der Fächerstadt neben dem Hauptgebäude der damaligen Universität!). Vielmehr leitet sich "Majolika" von Mallorca ab. Die Karlsruher Majolika ist die älteste und einzige noch produzierende Keramik-Manufaktur in Deutschland. Gegründet wurde sie 1901 von den Künstlern Hans Thoma und Wilhelm Süß, und zwar auf Betreiben des Großherzogs Friedrich I. Die Künstler wollten die "Majolika-Technik" wieder beleben, ein spezielles Glasurverfahren, das zurückreicht bis ins Italien des 15. Jahrhundert, welches wiederum aus Spanien importiert wurden. Der Name für die damaligen italienischen Fayencen wurde abgeleitet von der Insel Mallorca. Die Karlsruher Majolika stellte von Anfang an aber auch Keramik in allen anderen Fertigungstechniken her – auch das ist einzigartig in Deutschland. Heute sind darunter schicke Weinkühler, Gartentische oder Espresso-Gedecke.
Die "Großherzogliche Majolika-Manufaktur" ging nach dem Zweiten Weltkrieg in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über, zeitweise waren große Teile in privater Hand (1978 bis 1983 hielten die Gernsbacher Katz-Werke 74,8%). Von 1999 bis 2010 war die "Staatliche Majolika Karlsruhe" im Besitz der Landesbank Baden-Württemberg. Wegen der Bankenkrise musste sie jedoch veräußert werden. Die Stadt Karlsruhe schlug für einen Euro zu und überführte das Unternehmen in eine Stiftung. Spätestens mit dem Medien-Preis "Bambi" wurde die Karlsruher Keramik weltbekannt. Das ursprüngliche Bambi, ein Rehkitz aus weißer Keramik, wurde von 1948 bis 1964 in der Fächerstadt hergestellt und ab 1955 öffentlich verliehen. So war in diesen Jahren reichlich internationale Filmprominenz in der Badischen Residenz zu Gast: Heinz Rühmann, Sophia Loren, Maria Schell, O.W. Fischer, Ingrid Bergmann, Errol Flynn, Gregory Peck oder Gina Lollobrigida. Auch die Trophäe des Deutschen Medienpreises, verliehen in Baden-Baden (bislang u.a. an Bill Clinton, George Clooney, Angela Merkel oder Nelson Mandela), wird in Karlsruhe gefertigt. Weitere große Erfolge waren die Ausstattung des Berliner Admiralspalasts oder der Goldpreis der Weltausstellung in Sankt Louis 1904.
Nachdem die Manufaktur etwas in Vergessenheit geraten war, führte sie der ehemalige Geschäftsführer Anton Goll (1999 bis 2010) zu neuer Größe. Er ließ sich die Marke "Majolika" als Warenzeichen schützen und führte eine Künstlerförderung ein. Für spektakuläre Aktionen ("Die glühende Pyramide") und diverse Kunst-am-Bau-Projekte erhielt er die Auszeichnung "Badener des Jahres" und den Europäischen Innovativ-Preis für Kultur. Spektakulär ist auch der "Blaue Strahl" aus 1645 Fliesen, der seit 2001 vom Karlsruher Schloss zur Majolika-Manufaktur führt. 2013 wurde im Karlsruher Vierordtbad gar die erste Majolika-Sauna Deutschlands eröffnet – alle Kacheln wurden in der Majolika hergestellt, in der Mitte findet sich eine gelbe Statue der Hygieia, der Göttin der Gesundheit und Reinlichkeit, gestaltet von dem Künstler Wolfang Thiel.

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